Russische Musiker und Künstler in Berlin

Berlin ist eine große  Kulturhauptstadt, die viele Möglichkeiten und viel Erfolg verspricht und somit viele Erwartungen hervorruft. Schon seit mehreren Jahrhunderten kommen russische Künstler, ob von Berufs wegen oder auch die Seele baumeln zu lassen, nach Berlin und lassen sich hier inspirieren.

In Berlin verbrachte 1833 der berühmte russischer Komponist Michail Iwanowitsch Glinka (1804- 1857) die Zeit im Unterricht bei Siegfried Wilhelm Dehn (1799- 1858), zu dem er 1856 wieder zurückkehrte. Glinka  wohnte in einem Haus in der Französischen Straße und starb in Berlin. Seinen Name trägt eine Straße in Berliner Mitte. In der Glinkastraße kann man auch das Relief mit Porträt von dem Komponisten finden.[1]

Viele Jahre später konzertierten  unter anderen die Komponisten Alexander Siloti (1863-1945), sein Lehrling  Sergei Rachmaninow (1873-1843) und Igor Strawinsky  (1882-1971) in Berlin.

Eine sowjetische Regisseurin und Bildhauerin Lilja Brik (1891-1978) hielt sich mit Ihrem Ehemann Ossip Brik und auch mit ihrem Geliebten Wladimir Majakowskij oft in Berlin auf.[2] Lilja Brik war nicht nur eine der zentralen Figuren der russischen Avantgarde, sondern war bekannt durch ihr Portrait auf dem Poster  vom russischen  Maler, Grafiker, Fotograf und Architekt Alexander Michailowitsch Rodtschenko. „LENGIZ. Bücher zu allen Wissensbereichen“ ist nicht nur in Sowjetunion bekannt.

Und wer weiß, dass das 1970 eröffnete Kino „Arsenal“ nach dem  gleichnamigen Film vom ukrainischen Regisseur und Schriftsteller, Alexander Petrowitsch Dowschenko (1894- 1956) benannt wurde?  Zu Begin der Zwanziger Jahre war Dowschenko in Berlin im diplomatischen Dienst tätig. Nach der Arbeit besuchte  er das Studio „Künstler-Hilfe“ in Wedding, studierte bei dem expressionistischen Maler Erich Heckel Bildende Kunst, verbrachte viel Zeit vor der Staffelei. Nach der Rückkehr wandte er sich der Karikatur bis er seine Vorliebe für die damals neue Kunst der Kinematographie entdeckte und  seine  Bilder im Kopf in Bewegung brachte.[3]

Die russischen Künstler sind seit langer Zeit in Berlin sehr beliebt. Premieren der Kunststücke fanden in den Zwanzigern in Berlin oft  fast parallel mit der Erscheinung in Russland statt. Hier fand z.B. am 2. Juli 1929 die deutsche Premiere vom Dsiga Wertows Der Mann mit der Kamera. Regisseur, Filmregisseur Dsiga Wertow (1896 - 1954) war der größte Avantgardist des sowjetischen Films, der Erfinder einer "hundertprozentigen Sprache des Kinos".[4] Hier in Berlin hat er viele Vorträge unter anderem  zu dem Tonfilm gehalten.[5]

Auch in unserer Zeit löst jede Woche eine Vielzahl von Plakaten, die über aktuelle Veranstaltungen informieren eine andere Vielzahl ab. Oft klingen die Namen der Künstler sehr russisch bzw. slawisch, oft auch nicht.

Nach dem Wechsel des Plakats verschwinden die Namen und die Veranstaltungen und es ist schwierig, die verpassten Veranstaltungen, Infos über die Bands oder Künstler im Netz zu finden.

Obwohl heutzutage das Internet viele Möglichkeiten bietet, gibt es kaum eine einheitlich strukturierte Seite, wo man die Künstler nach den Bereichen, Kunstarten, Kunstrichtungen, Sprachen ohne große Bemühungen  finden kann. Es gibt Seiten, die über die aktuellen Veranstaltungen besonders mit  Künstlern aus dem russischsprachigen Raum informieren, jedoch sind diese Seiten nicht so leicht zu finden oder auch die Internet Adressen zu merken. Solche Seiten sind z.B. folgende:

http://berlin24.ru/

http://007-berlin.de/

http://www.kulturportal-russland.de/veranstaltungen.jsp?find=state&bid=3

http://www.berlin.de/kultur-und-tickets/tipps/multikulti/russisches-berlin/

http://www.radio-rb.de/kulturtipps/

http://www.berlin-russisch.de/

Die Gruppen oder Künstler kann man mehr oder weniger erfolgreich über die Suchmaschinen finden, wenn man sich den Namen richtig gemerkt hat. Jedoch sind die Künstler so kreativ, dass es oft auch das nicht leicht fällt.

[1] Vgl. Dahlmann, Dittmar /Potthoff, Wilfried (Hrsg.): Deutschland und Russland. Aspekte kultureller und wissenschaftlicher Beziehungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Harrassowitz Verlag, 1. Auflage 11.2004, S.192-193

[2] Vgl. Катанян, Василий: Лиля Брик. Жизнь. 2010 in http://royallib.com/read/katanyan_vasiliy/lilya_brik_gizn.html#40960. Letzter Abruf: 09.03.2016

[3] Громыко, Андрей: Памятное. Испытание временем. Книга 2 in http://readli.net/chitat-online/?b=389563&pg=1. Letzter Abruf: 09.03.2016

[4] Vgl. DER SPIEGEL 24/1970  in http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45439740.html. Letzter Abruf: 09.03.2016

[5] http://coollib.com/b/240513/read. Letzter Abruf: 09.03.2016

Text: Swetlana Scheyermann

Bildnachweis:

Abbildung 1: Quelle: http://www.gedenktafeln-in-berlin.de/nc/gedenktafeln/gedenktafel-anzeige/tid/michail-iwanowitsch-1/

Abbildung 2: A Rodtschenko ( Mit Fotoportret von L.Brik), "LENGIZ. Bücher zu allen Wissensbereichen", 1925.

Abbildung 3: Gedenktafel am Haus Bismarckstraße 69 in Berlin-Charlottenburg, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Oleksandr_Dowschenko

Abbildung 4: Quelle: https://absolutmedien.de/bilddatenbank/bilder/858/pict9.jpg

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