Die slawischen Dörfer in Marzahn

Es sollte bekannt sein, dass im deutschen Raum einst Slawen siedelten. In meinem folgenden Bericht werde ich mich den Slawen, speziell im Raum Berlin, widmen. Ich werde kurz darüber schreiben, wo die Slawen überhaupt her kamen und mich auf die Schwerpunkte der slawischen Einwanderung und Siedlungsentwicklung, sowie den Burgenbau und Herrschaftsstrukturen konzentrieren. Danach komme ich auf das slawische Dorf in Berlin-Marzahn zu sprechen.

Doch zuerst gilt zu klären wo die Slawen herkamen. Man vermutet, dass die Menschen aus zwei unterschiedlichen Richtungen kamen. Einige kamen aus Böhmen und liefen entlang der Elbe in das heutige deutsche Gebiet. Die anderen kamen aus dem Weichselraum über die Oder, entlang der Spree. So sind zwei Stämme entstanden: die Sprewanen und die Heveller. Die Sprewanen lebten auf dem Barnim und dem Ostteltow. Die Hauptansiedlung und das Machtzentrum der Sprewanen wurden aber die Hauptburg und Siedlung an der späteren Köpenicker Schlossinsel, Copnic, am Zusammenfluss von Spree und Dahme. Die Heveller haben sich auch „Stodorjane“ genannt. Das Fürstentum der Heveller bildete den slawischen Teil des Ursprunges der späteren Markgrafschaft Brandenburg. Das Siedlungsgebiet von ihnen erstreckte sich von Spandau entlang der Fluss- und Seeufer des Havelbogens über Brandenburg an der Havel bis hinter Rathenow. Der neuhochdeutsche Name „Heveller“ geht auf die Namensform „Hevelli“ zurück. Auch wenn es zwei unterschiedliche Stämme waren, gehörten beide zu den Lutizen. Die Lutizen waren ein loser Bund einiger nordwestslawischer Stämme, die im Mittelalter den Südosten des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns und den Norden des heutigen Brandenburgs bevölkerten. Die Ankunft der Slawen im Raum Berlin-Brandenburg wird auf das 7. Jahrhundert geschätzt. Dort lebten sie bis zum 12. Jahrhundert.

Die Siedlungen der Slawen waren unbefestigt und teils geschlossen, teils ausgedehnt. Sie siedelten eher in Haufen und haben sich auf einer weiten Fläche gestreut. Vor allem haben sie sich in der Nähe von Gewässern niedergelassen, denn die Uferterrassen waren nicht nur reich an Nährstoffen, sie haben auch den direkten Weg zum Fischfang geebnet. So hatte man bessere agrarische Voraussetzungen. Die Siedlungen waren von lang-ovalen Gruben bestimmt auf denen die ebenerdigen Häuser standen. Das waren sogenannte Traufgruben oder auch Vorratsgruben. Man vermutet, dass diese Gruben gerne auch als „erste“ Fußbodenheizung genutzt wurde, in dem man die heiße Asche einfach in die Grube geworfen hat. Die Wärme konnte hochziehen und im Haus wurde es dadurch wärmer. Die Häuser waren einfach gebaut, es war ein typischer Bau aus Blöcken oder Flechtwände. Unter anderem gab es in jedem Dorf ein bis zwei Feuerstellen, die gleichzeitig als Freiluftherde genutzt wurden.

Etwa in der Mitte des 9. Jahrhunderts kam der Burgenbau nach Berlin. Es hatte ein wenig gedauert, da die Slawen einer landwirtschaftlichen geprägten Kultur angehören. Nach Berlin kam der Burgenbau über die Ostsee, über die Wilzen und Abodriten. Die Wilzen (auch Wilsen, Wilciken, Welataben) waren ein westslawischer Stammesverband, der im 8. und 9. Jahrhundert im östlichen Mecklenburg-Vorpommern und im Norden Brandenburgs siedelte. Der Stammesverband setzte sich aus namentlich unbekannten Stämmen zusammen, an dessen Spitze ein Gesamtherrscher oder Großfürst stand. Bis Mitte des 10. Jahrhunderts zerfiel der Stammesverband und es bildete sich eine Reihe von neuen Stämmen. Sie gehörten, wie die Sprewanen und Heveller, zu den Lutizen. Die Abodriten oder Obodriten (auch Abotriten, Obotriten oder Bodrizen) waren ein elbslawischer Stammesverband, der vom 8. bis zum 12. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg und dem östlichen Holstein siedelte. Der Name leitet sich vom Stamm der Abodriten ab, der um Wismar und Schwerin ansässig war und innerhalb des Verbandes eine Führungsrolle einnahm.

Für die Berliner Region waren kleine Niederungswälle von einem Durchmesser von 60-90 m charakteristisch. Dazu kamen Ringwälle, die als Sitze von Kleinmächten und Herrschaften dienten. Im 10. Jahrhundert gab es einige Veränderungen bei den Slawen. Ab 928/29 unterwarf König Heinrich den Raum zwischen Elbe und Oder und im späten 10. Jahrhundert expandierte der Piastenfürst Bolesław Chrobry in den östlichen Teil Berlins. Im 12. Jahrhundert siedelte sich im heutigen Köpenick Fürst Jaxa an. Bis dann in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Askanier, ein deutsches Uradelsgeschlecht, das Zepter übernahm.

Nun etwas zu Marzahn. Der Name „Marzahn“ kommt vermutlich aus dem Polabischen „marcana“, was so viel wie „Sumpf“ bedeutet (vgl. BKMS močvara, Slk. močiar, Tsch. močál). Der Fluss an dem sich die Slawen siedelten war die Wuhle. Zu dieser Zeit hat dieser Fluss auch noch regelmäßig für Überschwemmungen gesorgt. Man nimmt an, dass dort vor dem 8. Jahrhundert die Germanen siedelten. Während der Ausgrabungen 1976-1979 wurde der Boden in drei Phasen eingeteilt: 5.-1. Jahrhundert v. Chr. und 3,4-5. Jahrhundert n. Chr. war demzufolge germanisch und die Phase ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. slawischen Ursprungs. In diesem Boden fanden die Archäologen verschiedene Keramikscherben, 2 Brunnen, aber keine Hausgrundrisse. Man geht davon aus, dass die Slawen die Brunnen der Germanen weiter benutzt haben, da neben einem germanischen Brunnen direkt ein slawischer aufzufinden war.

Leider gibt es nicht viele Anzeichen und Übermittlungen der Slawen in dem östlichen Teil von Berlin. Im Vergleich findet man entlang der Havel sehr viele Zeichen der Slawen. Jedoch sollte es nicht ungeachtet bleiben, dass auch hier einst ein Volk siedelte, das weite Entfernungen hinter sich ließ und sich letztendlich im heutigen Berlin wohl fühlte.

Text: Maria Andrejew

Quellen:

Dralle, Lothar (1981): Slaven an Havel und Spree. Studien zur Entstehung des hevellisch-wilzischen Fürstentums. (9.-11. Jahrhundert.) (= Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens., Bd. 108). Berlin: Verlag Duncker & Humblot.

Fischer, B.; Kirsch, E. (1983): Die frühslawische Siedlung Berlin-Marzahn. Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 17. S. 147-164.

Grebe, Klaus (1976): Zur frühslawischen Besiedlung des Havelgebietes. In: Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 10. Potsdam. S. 167-204.

Harenberg, Bodo (Hrsg.)(1986): Die Chronik Berlins. Dortmund.

Herrmann, J. (1985): Die Slawen in Deutschland. Ein Handbuch. Neubearbeitung. Berlin 1985.

Kahl, Hans-Dietrich (1964): Slawen und Deutsche in der brandenburgischen Geschichte des zwölften Jahrhunderts. Die letzten Jahrzehnte des Landes Stodor. 2 Bände, Mitteldeutsche Forschungen. Bd 30/I+II, Köln/Graz.

Ludat, Herbert (1971): An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slawischen Mächte in Mitteleuropa. Köln/Wien.

Müller, Adrian von (1971): Berlins Urgeschichte. Berlin.

Müller, Adrian von (1972): Gesicherte Spuren - Aus der frühen Vergangenheit der Mark Brandenburg. Berlin.

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/archaeologentag/2008/download/Biermann-SlawenBerlin.pdf (letzter Zugriff: 11.01.2016)

https://de.wikipedia.org/wiki/Germanisch-slawische_Siedlung_von_Berlin-Marzahn (letzter Zugriff: 11.01.2016)

Der Köpenicker Kietz

Der Kietz war ursprünglich eine slawische Fischersiedlung südöstlich des Zentrums des Berliner Ortsteils Köpenick, heute Teil des Bezirks Treptow-Köpenick, die bis Ende des 19. Jahrhunderts ihre kommunalrechtliche Eigenständigkeit bewahrte (Selbstverwaltung). Seine Bevölkerung zählte stadtrechtlich weder zu den Bewohnern der Burg und des späteren Schlosses Köpenick noch zu den Einwohnern der Stadt Köpenick. Im Stadtbild ist in der gleichnamigen Straße ein im Wesentlichen geschlossenes Gebäudeensemble aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten geblieben, das unter Denkmalschutz steht.
Seit dem 7. Jahrhundert gab es eine slawische Burg an der Stelle des heutigen Schlosses Köpenick. Kietz im Jahr 1976 Hofgebäude im Köpenicker Kietz, 1975 Um 1240 errichteten die Askanier eine neue Burg. Die Slawen wurden von der Insel umgesiedelt. Ein Teil von ihnen wurde auf dem Ostufer der Dahme angesiedelt, um einen für jene Zeit typischen Kietz als Dienstsiedlung für eine deutsche Burg auf der Schlossinsel zu bilden. Die Einwohner hatten vor allem die neue markgräfliche Burg mit Fischen zu beliefern. Die älteste nachgewiesene urkundliche Erwähnung des Kietzes stammt aus dem Jahr 1355, vermutlich ist er aber bereits im 13. Jahrhundert entstanden. 1375 sind 24 Häuser nachgewiesen.[1] Die Bewohner lebten vor allem von der Fischerei. Das Erbregister von 1589 führte im Kietz 31 Hausstellen auf, die alle die Fischereigerechtigkeit besaßen.[2] Damit auch die Bewohner auf der flussabgewandten Ostseite der Straße die Fischerei betreiben konnten, wurden zu ihren Grundstücken Wassergassen angelegt. Zum Kietz gehörten größere Wiesenflächen, die weit über die Umgebung verstreut waren, allerdings kein Ackerland. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Kietz teilweise zerstört, später in alter Struktur wieder aufgebaut. An der Größe des Kietzes änderte sich jahrhundertelang nur wenig. Auch 1743 wurden 31 Wohngebäude gezählt, in den folgenden hundert Jahren kamen lediglich sechs hinzu. Die Einwohnerzahl war bis 1858 auf 415 Personen gestiegen.[1] Die Häuser lagen zunächst ausschließlich der entlang der Dahme führenden Straße (heute die Straße Kietz), später siedelten sich Handwerker und Gewerbetreibende auch an einer Parallelstraße (der heutigen Gartenstraße) an.

Marzahn

Die Ausstellung gibt einen Überblick über rund 11.000 Jahre Geschichte. Sie beginnt mit der Ur- und Frühgeschichte, die den weitaus längsten Zeitraum umfasst. Den Schwerpunkt bildet die Geschichte der Dörfer Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn von ihrer Gründung im 13. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Die grundlegenden Strukturen der Dörfer blieben bis ins 19. Jahrhundert nahezu unverändert. Nur Hellersdorf wurde bereits um 1400 aufgegeben und erst zwischen 1983 und 1986 teilweise wieder ausgegraben.Tief griffen Kriege, Missernten und Krankheiten in das Leben der Dörfer ein. Besonders verheerend wirkte sich der 30-jährige Krieg (1618 - 1648) aus. Die preußischen Reformen im 19. Jahrhundert modernisierten die Landwirtschaft und brachten den Bauern Befreiung von Diensten und Abgaben.
Die Ausstellung gibt einen Überblick über rund 11.000 Jahre Geschichte. Sie beginnt mit der Ur- und Frühgeschichte, die den weitaus längsten Zeitraum umfasst. Den Schwerpunkt bildet die Geschichte der Dörfer Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn von ihrer Gründung im 13. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Die grundlegenden Strukturen der Dörfer blieben bis ins 19. Jahrhundert nahezu unverändert. Nur Hellersdorf wurde bereits um 1400 aufgegeben und erst zwischen 1983 und 1986 teilweise wieder ausgegraben.Tief griffen Kriege, Missernten und Krankheiten in das Leben der Dörfer ein. Besonders verheerend wirkte sich der 30-jährige Krieg (1618 - 1648) aus. Die preußischen Reformen im 19. Jahrhundert modernisierten die Landwirtschaft und brachten den Bauern Befreiung von Diensten und Abgaben.