Migration über Jahrhunderte

Über böhmische, polnische und andere Einwanderer, die über die Jahrhunderte nach Berlin gekommen sind.

Vera Lourié

Emigriert im Alter von 20 Jahren, in der Berliner Bohème mitgemischt, lange vergessen, als Zeitzeugin wiederentdeckt. Das ist Vera Lourié. Hinter dieser Frau steckt mehr.

Mit jüdischen Vorfahren ist sie 1901 in Sankt Petersburg geboren. Dort durchlebte Vera Lourié eine behütete Kindheit. Nach dem durch eine Erkältung bedingten Tod des 1 jährigen Bruders, wird der Vater aufmerksamer denn je. Vera wird untersagt zur Schule zu gehen, da die Ansteckungsgefahr zu groß sei. Sie wird bis zur dritten Klasse zu Hause unterrichtet, was ihr als eine starke Einengung in Erinnerung bleibt. Ab der dritten Klasse besteht nun auch die Mutter darauf, dass die Schule eine wichtige Instanz ist, woraufhin der Vater Akzeptanz zeigt. Das Verhältnis zu den Eltern war immer gut.

Fast jeden Sommer verbrachte Lourié mit ihrer Mutter im Ausland. Sie selbst hat sich im Nachhinein über diese Art des Urlaubs beschwert. Sie kenne wohl weder die Krim noch den Kaukasus. Der Kurort Kreuznach am Rhein war das beliebteste Ziel, aber auch die befreundete Familie Finkelstein in der Schweiz wurde stets besucht. Letztere besuchten sie 1914 als der 1. Weltkrieg ausbrach. Über Deutschland konnten sie nun nicht mehr zurück, woraufhin sie sich der Familie Finkelstein anschlossen und über Mailand, quer durch Italien nach Brindisi, mit dem Schiff nach Saloniki in Griechenland, durch Serbien und Sofia in Bulgarien nach Bukarest und dann in die Heimatstadt zurückkamen.

1920 beendete Lourié das Gymnasium, woraufhin sie das Pädagogische Institut besuchte. Dies jedoch konnte ihr keinen Spaß bereiten, weswegen sie schnell das Haus der Künste aufsuchte, welche unter anderem Seminare zur Schriftstellerei und Theater anboten. Des Weiteren fanden Kammerkonzerte, Tanzabende und literarische Vorträge statt. Lourié belegte zwei Seminare, unter anderem bei Nikolaj Jewrejnow, der Vorträge über Dramaturgie und Theaterthemen abhielt, und bei Nikolaj Gumiljow, welcher „Die Kunst des Dichtens“ behandelte. Man wird auch im weiteren Verlauf ihres Lebens sehen, dass diese Themen ihren Werdegang bestimmten.
Der Bürgerkrieg war in vollem Gange. Der Vater, der als Arzt ein gutes Jobangebot und besondere Lebensmittelkarten bekam, die zu damaligen Zeiten fast unbezahlbar waren, konnte von seinem Vorhaben die Sowjet Union zu verlassen nicht abgehalten werden. Für Lourié endete eine Etappe.

Durch Passfälscher aus dem Gefängnis erhielt die Familie lettische Pässe, woraufhin sie im Herbst 1921 Petrograd verließen. Die Reise war geprägt durch eine einwöchige Fahrt im Viehwagenzug mit harten Bänken. Die Eltern, samt Lourié, der 7 jährigen Schwester und dem 3 jährigen Bruder verlief über Lettland, wo sie für 10 Tage in Quarantäne verbleiben mussten, nach Riga. Hier kamen sie für einen Monat bei einem Bekannten ihres Großvaters unter. In diesen vier Wochen langweilte sich Lourié sehr und schrieb selbst: „Riga war eine sehr ruhige, sehr saubere, gemütliche, aber entsetzlich langweilige Stadt. Ich wollte nach Berlin, dorthin, wo sich ein großer Teil der russischen Intelligenz befand“. So kam es dann, dass sie nach vier Wochen nach Berlin fuhren und „ein neuer Lebensabschnitt begann […], die Etappe der literarischen Tätigkeit im Berlin der zwanziger Jahre“.

In Berlin angekommen suchte sie bald das Café Landgraf auf, in welchem sie „einen Vortrag über die Petrograder Dichter-Innung“ hielt. Außerdem berichtete sie von der Arbeit und den Werken der russischen Dichter in Petrograd und beendete ihren Vortrag mit eigenen Gedichten. Woraufhin der berühmte russische Dichter Andrej Belyi auf sie zukam und ihre Gedichte publizieren wollte. Dieser arbeitete damals als Redakteur bei der literarischen Zeitschrift „Epopeja“. Lourié verbrachte viel Zeit mit Belyi und besuchte ihn sogar im Süden von Berlin in Zossen oder auch in Swinemünde.

Lourié gehörte der Poetengruppe „Tönende Muschel“ an. Diese trafen sich regelmäßig zu literarischen Abenden in verschiedenen Cafés. Jedoch wurde sie als Dichterin bei ihren Landsleuten nicht anerkannt, sodass es ihr erst im hohen Alter gelang einen Verleger zu finden.

Lourié unterhielt auch einige Affären zu literarischen Größen und unter anderem dem russischen Rechtsanwalt Posnjakow. In einem russisch-jüdischen Club lernte sie den circa fünfzig jährigen Posnjakow kennen. Silvester feierten sie in der Pension Prager Platz. „Ein Tisch war bestellt worden, dort saß Prof. Posnjakow und erwartete uns. Man trank Champagner, man plauderte, man tanzte“. Wenige Tage später ließ er ihr mitteilen, dass sie ihm gut gefalle und lud Lourié zu sich und seiner Ehefrau zum Abendessen ein. Posnjakow begleitete Lourié nach Hause, küsste sie das erste Mal. „Das war der Anfang!“ Er lud sie zum Essen im KaDeWe ein, sie fuhren mit dem Taxi über die Potsdamer Straße, er wollte in ein Hotel, sie verneinte noch. „Daraufhin wurde ich für ihn Geliebte und Sekretärin“.

Posnjakow hat sich unter anderem auch mit der Passfälschung beschäftigt, weswegen er durch einige Intrigen von der Gestapo verhaftet wurde. Lourié wurde beauftragt noch einige Sachen aus seiner Wohnung zu besorgen und „schon in der Diele wurde ich von zwei Gestapomännern in Empfang genommen. Das Dienstmädchen erwies sich als eine Agentin der Geheimen Staatspolizei“. Lourié wurde einem Verhör unterzogen und im Anschluss in einem Privatwagen zum Alexanderplatz gebracht, da es im Gefängnis der Geheimen Staatspolizei keine Zellen für Frauen gab. „Ich hatte 'Glück', dass jeden Morgen ein Gestapomann kam, um mich in dem riesigen Gefängniswagen zur Prinz-Albrecht-Straße zu bringen“. Dort musste sie Dokumente von Posnjakow ins Deutsche übersetzen. Sie bekam dort glücklicherweise auch bessere Nahrung.

Louriés Leben war von Umbrüche und Ereignissen geprägt. Sie lebte seit 1933 bis an ihr Lebensende in der Westfälischen Straße 33. Dieser Bericht beschreibt nur einige ihrer wichtigen Zeugnisse. Das Buch „Briefe an Dich – Erinnerungen an das russische Berlin“ legt die Basis dieser Informationen dar. Vera Lourié hat sich im hohen Alter von achtzig Jahren noch einmal verliebt. Diese Liebe ging an die Ehefrau ihres Hausarztes. Sie telefonierten und trafen sich regelmäßig. Lourié schrieb ihr Briefe, indem sie sich in die Vergangenheit zurückversetzte und aus ihren Erinnerungen berichtete. Erst Jahre später wurden diese wirklich abgeschickt und glücklicherweise in diesem Buch veröffentlicht. „Briefe an Dich“ ist ein außergewöhnliches Tagebuch mit wichtigen Details aus dem Alltag, die oft verloren gehen.

Text: Tatjana Kruglikov

Quelle:

Liebermann, Doris (2014): Briefe an Dich: Erinnerungen an das russische Berlin. Frankfurt am Main.

Polen in der Geschichte Berlins: Zufall der Liebe oder bewusste Entscheidung?

 

Seit mehreren Jahrhunderten siedelten sich die Polen in Berlin an, die Stadt an der Spree wirkt anziehend für das Nachbarland und die Menschen kommen, um anderes Leben als im Heimatland zu finden. Sind es Zufälle oder bewusste Entscheidungen, dass viele Polen seit Jahrhunderten nach Berlin ziehen, um hier zu leben?

Die große Auswanderung der polnischen Bürger fing in der Zeit der innenpolitischen Unruhen an, als die polnisch-litauische Adelsrepublik unterging und Polen ihre Unabhängigkeit für mehr als 100 Jahre verlor. Unter den neuen politischen Bedingungen musste man sich neu orientieren und anpassen. Für viele, besonders für den polnischen Adel verlor die Republik an Bedeutung. Man strebte nach einem besseren Leben und nach neuen Perspektiven, Berlin hatte eine besondere Anziehungskraft für die Adligen, die politisch beteiligt sein wollten.

Warum die Auswahl unbedingt auf Berlin fiel, das wird man bestimmt nie über jeden einzelnen Fall erfahren, es können verschiedene Beweggründe und Motivation behauptet werden, jede einzelne Person hat ihre eigene Motive gehabt und doch nicht die geringste Rolle spielte die Liebe zu der Stadt selbst oder zu den, in Berlin lebenden Bürgern. Man mag es bestreiten oder anzweifeln, doch in vielen Fällen war die Liebe ein entscheidender Bestandteil des Zufalls gewesen.

Luise Frederike von Hohenzollern

Luise Frederike von Hohenzollern

Die Verbindung Polens mit Berlin war schon zu den Zeiten von Preußen nicht von geringer Bedeutung. Der Polnische Adel suchte neuen Ort zum Leben und Wirken. Hier ist eine Geschichte besonders erwähnenswert, in der Zeit der Monarchie war üblich aus politischen Gründen und Vorteilen sich den Gemahlen auszusuchen. Trotz der allgemeinen Einstellung zur Heirat in den Kreisen der damaligen Gesellschaft, wählte die Familie Radziwill nicht zufällig Berlin zu dem neuen Ort des Lebens. Anton Heinrich Radziwill und Luise Frederike von Hohenzollern lernten sich kennen bei gegenseitigen Besuchen. Die Geschichte schreibt über gegenseitige Zuneigung und Verliebtheit. Anton Heinrich und Luise Frederike heirateten am 17 März 1796. Die Ehe dauerte 37 Jahre und galt als sehr glücklich. Diese romantische Geschichte verband das Geschlecht Radziwill mit dem preußischen Hof.

Fürst Anton Heinrich Radziwill

Fürst Anton Heinrich Radziwill

Die Familie Radziwill hatte ihren eigenen Palais in der Wilhelmstraße 77. In dem Palais Radziwill empfing das Ehepaar zahlreiche Künstler und Gelehrte, mit denen sie ohne jegliche höfische Etikette Vorschriften verkehrte und von 1796 bis 1815 einen Salon unterhielt. Diese Ehe war von großer politischer Bedeutung für die Monarchie von Hohenzollern, die polnische Vertreter unterstützten Preußen in den politischen Entscheidungen.

Wie viele glückliche Familien noch aus der Verbindung Polens mit Preußen entstehen konnten kann keiner sagen. Doch schon die nächste Generation von Radziwill musste die Liebe zu Berlin und Polen teilen. Politischer Einfluss Seiten Polens war in Berlin groß, viele polnische Adlige hatten ihre Stellung am Hof der Hohenzollern, natürlich sahen die Deutschen in diesem eine verborgene Gefahr des polnisch-katholischen Einflusses.

Die politische Situation spitzte sich immer mehr zu, in wenigen Jahren später, in der dritten Generation von Radziwills musste die Entscheidung getroffen werden. Es gab nur zwei Auswege für in Berlin lebende Familien, man müsste wählen, ob man zu dem deutschen Kaiser gehört oder man bleibt ein polnischer Patriot. Die Loyalität dem deutschen Kaiser gegenüber wurde von einem Teil der Familie Radziwill gezeigt und die anderen sprachen sich für den Traum der polnischen Unabhängig aus. Die Konsequenzen waren der Entscheidung entsprechend, wenn über den Fürsten Anton Radziwill später als über einen wahren Preußen gesprochen wurde, so blieb aber der polnische Patriot, Fürst Ferdinand Radziwill als kein gern gesehener Gast im Hofe der Preußen. Seiner politischen Einsichten wegen musste der Fürst unter den polnischen Abgeordneten im Reichstag sitzen und damit rechnen, dass seine Person keine große Rolle in der Gesellschaft mehr spielte.

Die Liebe führte die polnische Familie Radziwill nach Berlin, doch diese Liebe konnte die gute Einstellung zu Ihrem Heimatland nicht auslöschen. Man blieb ein Pole trotz der Liebe zu der preußischen Gesellschaft.

Palais Radziwill, die spätere Reichskanzlei

Palais Radziwill, die spätere Reichskanzlei

Im Laufe der Zeit änderten die Berliner ihre Einstellung zu den polnischen Mitbürgern. Die deutsch-polnische Beziehung wirkte sich jeder Zeit auf Berlin aus. Im 19. Jahrhundert, bei den Aufständen für die Unabhängigkeit Polens äußerten die Berliner eine besondere Sympathie und setzten sich für die Freilassung der polnischen, politischen Gefangenen ein.

Es vergingen Jahre und die Einstellungen änderten sich ständig. Es gab Zeiten wo es Feindliche Einstellungen gab zwischen den polnischen- und den deutschen Bürgern, dann, nur wenige Jahre später waren alle friedlich beisammen und lebten miteinander, arbeiteten Seite an Seite. Die Geschichte ist immer ein spannender Beginn der Gegenwart, nur durch die historischen, schon vergangenen Ereignisse können wir in die Gegenwart eingeleitet werden. Die Liebe ließ zu, dass die Familie Radziwill für immer in der Geschichte Berlins bleibt. Die Sympathie zu dem polnischen Volk ließ die Berliner für die polnische Freiheit eintreten. Doch wie sieht die Berliner Realität aus? Sind die Polen immer noch in Berlin willkommen? Oder ist Berlin mehr eine fremde Stadt für die vorüber hier lebende Polen?

Heute genau wie Jahrhunderte früher spielt die Liebe und die Sympathie nicht die geringste Rolle. In Berlin leben und wirken Polen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten Polens. Jeder von ihnen könnte sich frei entscheiden in ihr Heimatland zurückzukehren, jedoch ist Berlin keine fremde Stadt für die Polen. Auch sie selbst sehen sich nicht als Fremde in Berlin, nicht das Schicksal entschied über ihren Wohnort. Eine bewusste Entscheidung führte viele Polen nach Berlin. Hier studieren sie, machen ihre Karriere, schließen Freundschaften und gründen ihre Familien.

Der Eindruck von Berlin ist für jeden Polen persönlich, trotz der Unterschiede gefällt den meisten die Stadt, weil sie so international, so locker ist. Berlin bietet andere, neue Möglichkeiten und Perspektiven an, Polen haben das Glück und das Pech, dass sie nicht anders als die Deutschen aussehen. Die Möglichkeit sich gut integrieren zu können versichert dennoch nicht die Chancengleichheit. Die Polen müssen sich beweisen und für die Gleichheit kämpfen.

Die Einstellung der Berliner ändert sich im Laufe der Zeit, wie es in der Geschichte der Familie Radziwill und in den Unabhängigkeitskämpfen war, so ist es auch heute. Verschiedene politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umstände haben Einfluss auf die Sympathie der Berliner zu den Polen und auch der Polen zu den Berlinern. Die Vorurteile und die Stereotypen entscheiden das Schicksal der Polen in Berlin neben dem Zufall der Liebe.

Muss man sich nur für die deutschen entscheiden um in Berlin eine eigene Heimat zu sehen? Viele haben einen Kompromiss für sich gefunden. Die Polen sind meist bestens in die Berliner Gesellschaft integriert und haben eigenes Einkommen. Man lebt hier, hat Einfluss auf Berlin, die deutschen trotz der Zurückhaltung und Distanz ändern ihre Einstellung den polnischen Mitbürgern gegenüber. Das heutige Berlin bietet verschiedene Möglichkeiten einer Zusammenarbeit der Deutschen und der Polen. Häufig werden verschiedene Möglichkeiten von beiden Seiten angeboten, um sich gegenseitig besser kennenzulernen und zu verstehen, wie zum Beispiel verschiedene Vereine, Clubs und Freizeitaktivitäten, die die Zusammenarbeit stärken und die guten Seiten der Polen und Berliner hervorkommen lassen.

Die Offenheit der beiden Seiten wird die Tür zu neuen Beziehungen öffnen. Der Zufall der Liebe, war damals und auch heute derselbe. Nur mit Sympathie und Mitwirken können die Polen die Herzen der Berliner erreichen. Die Herzlichkeit der polnischen Einrichtungen lässt die deutschen sehen, dass Polen für die neue Epoche der Wechselbeziehung offen sind.

Text: Darja Bogomolov

Kroaten in Berlin – Von Gästen, die blieben

Die Zahl der Kroaten in Berlin stieg nach dem Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem ehemaligen Jugoslawien im Jahr 1968 rasant an. Drei Jahre nach der offiziellen Anwerbung hielten sich in der BRD bereits 775.000 jugoslawische Gastarbeiter auf, mit 33,4 % überproportional viele aus Kroatien. Ihren Höchstwert erreichte die Migration aus dem ehemaligen Jugoslawien im Jahr des Anwerbestopps 1973, als insgesamt 1,1 Million Menschen gezählt wurden.[1] Selbst nach dem Anwerbestopp ließ der Zuzug von Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien nicht nach, da es den in Deutschland lebenden Gastarbeitern gestattet war ihre Familien aus der Heimat nachzuholen. Die Zahl jugoslawischer Migranten für den Raum Berlin hielt sich aus diesem Grund, zwischen den Jahren 1974 und 1987, konstant auf knapp 30.000 Personen, wovon über die Hälfte (ca. 17.000 Personen) der gezählten Bevölkerung kroatischer Herkunft war. Die jugoslawischen Migranten stellten zu dieser Zeit die zweitgrößte Minderheit, nach der türkischen Bevölkerung, in Berlin dar.

Auszug aus der Festschrift: Ausländerstatistik für Berlin - 1987

Auszug aus der Festschrift: Ausländerstatistik für Berlin - 1987

Die Aussicht auf einen lukrativen Verdienst und die Erfüllung persönlicher Träume bewegten damals vor allem Menschen aus den ländlichen Gebieten Dalmatiens und der Herzegowina[2], schon viele Jahre vor dem offiziellen Anwerbeabkommen zwischen Jugoslawien und Deutschland, zu einer Beschäftigung im Ausland.

Die Überfahrt und Anstellung erfolgte häufig mittels organisierter Abläufe durch das jugoslawische Bundesamt für Arbeit mit zentralem Sitz in Belgrad.[3] Berlin wurde im Gegensatz zu den anderen deutschen Großstädten erst relativ spät zum Zielort vieler Arbeitsmigranten, die seit dem ersten Anwerbeabkommen mit Italien im Jahr 1955 ihr Glück in der Bundesrepublik Deutschland versuchten. Die damals noch in West und Ost geteilte Stadt bot den Gastarbeitern Berufsperspektiven in dringend benötigten handwerklichen Berufen wie auf der Baustelle oder in Großindustrien. Das Anwerbeabkommen zog jedoch nicht nur Männer als Gastarbeiter in die deutschen Großstädte. Auch Frauen wurden händeringend gesucht und erhofften sich von einer Beschäftigung in namenhaften Betrieben wie Siemens, AEG oder Telefunken ihren Familien eine aussichtreiche Zukunft zu ermöglichen[4].

Arbeitserlaubnis von 1971

Arbeitserlaubnis von 1971

Niemand konnte jedoch Anfangs erahnen, dass die Gastarbeit, die auf ein zeitlich begrenztes Arbeitsverhältnis von maximal zwei Jahren abzielte[5], sich für einige zu einem dauerhaften Status entwickeln sollte. Die Abhängigkeit vieler Arbeitgeber von den mühevoll angelernten ausländischen Arbeitskräften, sowie der gute Verdienst, der längere Anstellungen finanziell rentabel machte, resultierten in regelmäßige Verlängerungen der Arbeitserlaubnis und damit auch zum längeren Verbleib vieler Gastarbeiter in Deutschland. Gleichzeitig geriet durch den längeren Aufenthalt die Vorstellung der Rückkehr in die Heimat vermehrt in den Hintergrund.

Der wirtschaftliche Aufschwung in der BRD, an dem die ausländischen Arbeitskräfte aus den unterschiedlichen Teilen Europas und Nordafrikas maßgeblich mit beteiligt gewesen waren, bestimmte zusätzlich ihre Lebensgewohnheiten und Bedürfnisse und auch die erste Generation der Gastarbeiterkinder, die sich ein Leben in der für sie „fremden“ Heimat kaum vorstellen konnten, machten eine mögliche Rückkehr mit der Zeit zunehmend schwieriger.

Die Kroatische Katholische Mission Berlin (HKMB), die 1965 in Frankfurt ins Leben gerufen wurde und seit 1969 Gottesdienste auf kroatischer Sprache in Berlin anbietet, sah sich Anfang der 80er-Jahre durch den längeren Verbleib vieler Gastarbeiter mit der möglichen Entfremdung kroatischer Familien und dem Verlust kultureller und religiöser Werte konfrontiert. In ihrer 1989 veröffentlichten Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum der Kroatischen Katholischen Mission in Berlin widmet sich ihr Autor ausdrücklich der zentralen Aufgabe der Wahrung der katholischen Werte und Traditionen innerhalb einer zunehmend materialistisch geprägten Welt.

U početku bijasmo skromniji. Pošteniji i radišniji. Zadovoljni bilo kojim poslom i bilo kakvom zaradom. Posjedovasmo dvrene barake, hladne postelje. Hranili smo se krompirima i kobasicama. Ispijali berlinski «Schultheiss». Ubrzo smo zamijenili prošlost sa sadašnjošću. Prestadosmo sanjati. Tjeskobe nam postadoše zamršenije. Naučismo od domaćina sve ono što kratku i jeftinu radost donosi. Gledali smo kroz prozorska stakla. Praznili se pred malim ekranima. Zaboravljali jedni druge. Postadosmo dvostruki stranci, u Domovini i u tudjini.[6]

Am Anfang waren wir bescheidener. Ehrlicher und fleißiger. Zufrieden mit jeder Arbeit und mit jedem Verdienst. Wir besaßen Baracken aus Holz, kalte Betten. Wir ernährten uns von Kartoffeln und Wurst. Tranken Berliner «Schultheiss». Bald darauf tauschten wir die Vergangenheit mit der Gegenwart aus. Wir hörten auf zu träumen. Unsere Ängste begannen sich zu verkomplizieren. Wir lernten vom Gastgeber all jenes, was eine kurze und billige Freude bereitet. Wir schauten durch Fensterscheiben. entleerten uns geistig vor kleinen Bildschirmen. Vergaßen einander. Wir wurden zu doppelten Ausländer, in der Heimat und in der Fremde.[7]

 Wie soll eine Zukunft der kroatischen Gastarbeiter und ihrer Familien in der neuen Welt aussehen, die sich in so vielen Bereichen von ihrem gewohnten Umfeld und Leben unterschied?

Seit ihrem Bestehen befasst sich die Mission neben der Seelsorge unter anderem mit dem zentralen Thema der Aufklärung und Weitergabe religiösem und kulturellen Wissens über die Heimat und versucht somit der schleichenden Entfremdung entgegenzuwirken.

Der 1980 vom damaligen Leiter der HKMB gegründete Verein „Vladimir Fran Mažuranić“ widmet sich seit seiner Gründung dem kulturellen Leben der Kroaten in Berlin. In enger Zusammenarbeit mit der kroatischen katholischen Mission finden Tagungen, sowie Leseabende und Diskussionsrunden im Gemeindehaus der Mission statt. In einer gemeinsamen Aktion mit der Kroatischen Kultur, Kunst und Sportgemeinde, die seit 1984 ein zusätzliches Kulturprogramm zur Missionsarbeit in Berlin anbietet, wurde 1988 eine Gedenktafel am Haus in der Dieffenbachstraße 67 in Berlin-Kreuzberg angebracht, die an den in Berlin verstorbenen kroatischen Schriftsteller Vladimir Fran Mažuranić erinnert und gleichzeitig die Existenz einer kulturellen Gemeinschaft von Kroaten in Berlin in der Öffentlichkeit symbolisiert.

Gedenktafel Vladimir Fran Mažuranić

Gedenktafel Vladimir Fran Mažuranić

Zur Bewahrung der eigenen Wurzeln bedarf es jedoch nicht nur der Sichtbarmachung einer homogenen kulturellen Gemeinschaft im öffentlichen Raum, wie es beispielsweise durch die Denkmäler geschieht, sondern auch eines gemeinschaftlichen Wissens über traditionelle Bräuche und Feste. Neben dem Besuch der katholischen Messe in kroatischer Sprache bietet die kroatische katholische Mission ihren Anhängern einen Ort des Zusammenkommens für die gemeinschaftliche Ausübung katholischer Feiertage und traditioneller Bräuche an.

 

 

 

[1] Vgl. Thaden 2014: 45

[2] Ebd.: 46

[3] Lipovcan 1998: 148

[4] Vgl. ebd.: 148

[5] http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/56377/migrationspolitik-in-der-brd?p=0

[6] Festschrift der Kroatischen Katholischen Mission Berlin zum 20-jährigen Jubiläum. Zitat aus dem Einleitungskapitel Hrvatski Radnici U Berlinu (Kroatische Gastarbeiter in Berlin). Seite 12.

[7] Die freie Übersetzung erfolgte durch den Autor des Blogtextes.

Dabei findet unter den Gemeindeanhängern der kroatischen katholischen Mission stets auch ein informeller Austausch untereinander statt. So wird zum Beispiel regelmäßig über die monatlich erscheinende Ausgabe des „Berlinski Magazin“, die zur kostenlosen Mitnahme vor der Kirche angeboten wird, über bevorstehende Ereignisse und Feste, sowie über Neuigkeiten innerhalb der kroatischen Gemeinde und der Heimat informiert.

Berlinski magazinMisija

Die Kroaten in Berlin blicken auf eine junge Geschichte zurück, in der die Gastarbeiter aus den 60er- und 70er-Jahren ein Fundament bildeten, dass mit der Organisationskraft der kroatischen katholischen Mission über die Jahre ihr stützendes Gerüst erhielt und somit eine Grundlage für eine kroatische community ermöglichte, mit der sich ihre Anhänger fest verankert fühlen.

Gleichzeitig bieten die sich fest etablierten Strukturen innerhalb der kroatischen Gemeinde auch einen Schutz und Zuflucht für Personen, die viele Jahre nach den Gastarbeitern in Berlin ankommen. So konnten sich auch Kriegsflüchtlinge während der 90er-Jahre oder Personen, die heute von der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU profitieren, in einer eng vernetzten community zurechtfinden. Auch zukünftig wird das Angebot der kroatischen katholischen Mission und der Kulturvereine eine zentrale Anlaufstelle für die kroatische Minderheit in Berlin darstellen, die sich erinnernd an ihre eigene Vergangenheit ein Stück Heimat und Glauben für die Zukunft bewahren will.

Text: Josip Jolić

Bildnachweis:

Aračić, Dinko u.a. (1989): Hrvatska Katolička Misija. Kroatische Katholische Mission. 1969. – Berlin – 1989. (Festschrift zum 20 jährigem Jubiläum). Split (u.a.): Zbornik „Kačić“.

Matić, Željko (2014): Berlinski Magazin. Prvi mjesečnik za Hrvate u Berlinu. Ausgabe 152. November 2014. Berlin.

Quellen:

Thaden, Matthias (2014): Berichte von der „bauštela duha“. Die kroatische katholische Mission in Berlin zwischen Seelsorge und Identitätsstiftung. In: Südosteuropäische Hefte 3 (1). S. 44-66.

Lipovčan, Srećko (1998): Kulturni rad Hrvata u Berlinu (1974 – 1990). In: Društvena Istraživanja 7 (33-34). S. 147 – 169.

Aračić, Dinko u.a. (1989): Hrvatska Katolička Misija. Kroatische Katholische Mission. 1969. – Berlin – 1989. (Festschrift zum 20 jährigem Jubiläum). Split (u.a.): Zbornik „Kačić“.

Butterwegge, Carolin (2005): Von der "Gastarbeiter"-Anwerbung zum Zuwanderungsgesetz. Migrationsgeschehen und Zuwanderungspolitik in der Bundesrepublik. http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/56377/migrationspolitik-in-der-brd?p=0 (Zugriff 06.02.2016).

(Spät-)Aussiedler in Berlin

Die Bundesrepublik Deutschland hat zwischen 1950 und 2010 etwa 4,5 Millionen Aussiedler aufgenommen. Die meisten kamen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. 1953 wurde in der Zentralen Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler (ZAB) in Marienfelde zum ersten Mal der Betrieb aufgenommen. Dort fanden die meisten Aussiedler Unterkunft, Verpflegung und Unterstützung in den ersten Wochen und Monaten in Berlin. Doch wer waren diese Menschen?[1]

(Spät-)Aussiedler sind Personen deutscher Herkunft, die in Ost- und Südosteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion unter den Folgen des zweiten Weltkrieges gelitten haben und aufgrund ihrer deutschen Volkszugehörigkeit massiv verfolgt und auch lange nach Kriegsende benachteiligt wurden.[2] Viele Menschen in Deutschland, und ein nicht zu unterschätzender Teil der Bevölkerung in Berlin, gehören zu den Russlanddeutschen. In den 1990 Jahren kamen viele Aussiedler (seit 1993 sogenannte Spätaussiedler) nach Deutschland. Diese Menschen werden fälschlicherweise für „Russen“ gehalten und einige zählen sich auch tatsächlich eher zur russischen Bevölkerung und nicht zur deutschen. Nur wissen die meisten nicht viel über die Geschichte der Russlanddeutschen. Selbst zu Zeiten der Sowjetunion wussten die Menschen nicht, woher die Russlanddeutschen überhaupt stammen. In Russland wurden sie oft als „Faschisten“ beschimpft, hier gelten sie als „Russen“. Doch wer sind diese Menschen und welches Schicksal ist ihnen widerfahren?

Der Ruf der Zarin

Russlanddeutsche Spätaussiedler sind eine ethnisch deutsche Minderheit, die seit dem 18. Jahrhundert in Russland leben. Viele Deutsche Bauern, Kaufleute und Geistliche folgten dem Ruf Katharinas der Großen, die 1763 ein Manifest erließ, in dem sie alle Ausländer einlud, sich innerhalb der Grenzen des riesigen Reiches niederzulassen. Überall in Nordund Mitteleuropa wurde diese Nachricht verbreitet. Vor allem aber in (dem heutigen) Deutschland, denn die Zarin war selbst deutscher Abstammung und lockte die Deutschen mit vielen Privilegien. So wurde den Menschen die Befreiung von Militär- und Zivildienst, eine befristete Steuerfreiheit, Selbstverwaltung, Reisegeld und vor allem Religionsfreiheit versprochen. Natürlich lag das Hauptinteresse Russlands darin, die siedlungsarmen Gebiete an der Wolga landwirtschaftlich zu kolonialisieren, so dass später auch die Privilegien für die neuen Siedler nach und nach abgeschafft wurden, oder erst gar nicht so umgesetzt wurden, wie versprochen. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Russland rund 500 deutsche Kolonien. Sämtliche regionale Dialekte der verlassenen Heimat fanden sich in diesen Kolonien wieder und bildeten so eine kulturelle und konfessionelle Vielfalt. Die unterschiedlichen Mundarten verrieten, dass die meisten Deutschen aus Hessen, Preußen, Sachsen, Württemberg oder der Pfalz stammten. Laut der ersten Volkszählung von 1897 waren Saratow und Samara die kompaktesten Siedlungsgebiete in denen 390.000 von den 1,7 Millionen Russlandeutschen lebten.[3]

„Russifizierung“ und Deportation

Das Zusammenleben der russischen Bevölkerung und den russlanddeutschen Siedlern war nicht immer harmonisch. So begann im Jahr 1871 eine schleichende „Russifizierung“ sämtlicher Lebensbereiche. Für die russlanddeutsche Bevölkerung bedeutete das die Auflösung sämtlicher Privilegien. Die 1874 eingeführte Wehrpflicht für Russlanddeutsche stellte eine der ersten Veränderungen für die deutsche Bevölkerung dar. Die Bemühungen des Zaren Alexander III., Russland zu einem homogenen Staat zu gestalten der alle sprachlichen, kulturellen und religiösen Unterschiede überwindet, hat gravierende Folgen nach sich gezogen. Im Jahr 1890 äußerte der Innenminister des Zaren, dass die deutsche Bevölkerung gefährlich sei, denn sie sei zu sehr mit ihrer früheren Heimat verbunden. Da sie nur von „Germania Kultur, Fortschritt und das Licht der geistigen Wahrheit“ erwarten, können diese Menschen nicht als Mitbürger betrachtet werden. Der einzige Weg die Deutschen mit Russland zu vereinen wäre demnach nur möglich, wenn der der Landkauf der Deutschen eingeschränkt werden würde, ihre innere Selbstverwaltung aufgelöst werden würde und die russische Sprache in den deutschen Schulen eingeführt werden würde.[2] Die Einführung der russischen Sprache als Pflichtfach an deutschen Schulen wurde 1891 obligatorisch. Während des ersten Weltkrieges gibt es einen tiefen Bruch in der Beziehung zwischen Russland und dem deutschen Reich. Zu dieser Zeit leben ca. 1, 7 Mio. Deutsche in Russland. Im Krieg dienen 300.000 Deutsche in der zaristischen Armee. Trotz allem haben die Russlanddeutschen fortwährend einen schweren Stand in Russland. 1928 – 1932 werden viele Menschen deutscher Abstammung zwangskollektiviert und nach Sibirien deportiert. In den folgenden Jahren verschärft sich die Situation, denn die russlanddeutsche Bevölkerung wird zum Volksfeind im zweiten Weltkrieg. Nach einem Erlass im Jahr 1941 wird die deutsche Bevölkerung pauschal der Kollaboration mit Deutschland, der Vorbereitung von Anschlägen beschuldigt und in die asiatischen Gebiete der Sowjetrepublik deportiert. In diesen Verbannungsgebieten werden die Deportierten in Sondersiedlungen untergebracht und durch sogenannte Kommandanten kontrolliert. Nach und nach werden immer mehr Russlanddeutsche in die „Trudarmee“ eingezogen. Die körperliche Schwerstarbeit beim Bau von Industrieanlagen, Bahnlinien, Straßen, Kanälen und Bergbau kosteten tausenden Menschen das Leben. Am Ende des zweiten Weltkrieges wurden 2,5 Mio. Menschen in den Sondersiedlungen des sowjetischen Geheimdienstes festgehalten. Ein Großteil waren Deutsche. Obwohl die Insassen ab 1956 die Orte der Sondersiedlungen verlassen durften, durften sie nicht in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren. Eine Entschädigung für das 1941 beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nicht. Der Wunsch der Russlanddeutschen auszureisen wächst kontinuierlich und 1987 nimmt der Zustrom deutscher Aussiedler aus der UdSSR immer weiter zu.[4]

Die Rückkehr der Russlanddeutschen

„Aussiedler, seit 1993 Spätaussiedler, sind Angehörige deutscher Minderheiten, die vor dem Ende des 2. Weltkrieges ihren Wohnsitz jenseits der heutigen Ostgrenzen Deutschlands hatten und als Folge des Krieges diese Gebiete verlassen mussten oder aus diesen Gründen vertrieben wurden“ (§1 Bundesvertriebenengesetz).

Laut dem Artikel 116 des Grundgesetzes sind anerkannte Russlanddeutsche Deutsche und „deutsche Volkszugehörige“, die bei Einreise automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Auch den mitreisenden Ehepartnern und Abkömmlingen der Russlanddeutschen
wurde die Einreise, sowie die Einbürgerung erleichtert.

Die zentrale Aufnahmestelle Berlin – Marienfelde

Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde 
Stiftung Berliner Mauer 
Marienfelder Allee 66/80 
D - 12277 Berlin

Nach Einreise mussten zunächst alle Einwanderer, die Berlin zugeteilt wurden, in die zentrale Aufnahmestelle Berlin – Marienfelde. Die zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler (ZAB) war von 1964–2010 Teil des Landesamts für Gesundheit und Soziales und unterstand der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. Zuvor diente die zentrale Aufnahmestelle als Dienststelle für die Rehabilitierung der Opfer politischer Verfolgung in der DDR. Später wurde die ZAB zuständig für Aufnahme und Beratung der dem Land Berlin zugewiesenen Spätaussiedler. Zusätzlich wurde sie als Übergangswohnheim der Spätaussiedler genutzt. Durchschnittlich verweilten die Neuankömmlinge vier Monate dort, bevor sie in eine eigene Wohnung ziehen durften. Viele der dort ankommenden Menschen fanden im Stadtteil Berlin Marzahn ein neues Zuhause. Die Anzahl der Russlandeutschen, die der Bezirk Marzahn aufgenommen hat, lag bei circa 25.000. Die starke Flut der Menschen, die nach Deutschland einreisen wollten führte dazu, dass 1990 bereits vor der Einreise geprüft wurde, ob alle erforderlichen Voraussetzungen erfüllt waren. Mit einem Gesetz von 1993 musste ein Vertreibungsdruck glaubhaft gemacht werden. Diese Regelung betraf die Menschen aus den ehemaligen Sowjetstaaten allerdings nicht, dort wurde pauschal von einem „Kriegsfolgenschicksal“ ausgegangen. Seit 1996 müssen alle Einwanderer ausreichende Deutschkenntnisse nachweisen, was durch eine Prüfung festgestellt wird. Von 1950 bis Mitte der 1980er Jahre kamen rund 1,5 Millionen Aussiedler in die Bundesrepublik. Gegen Ende der 1980er Jahre wurde ein starker Anstieg der Zuzugszahlen registriert, 1993 wurden nicht mehr als 220. 000 Einwanderer zugelassen und im Jahr 2000 wurde auch diese Zahl halbiert. Seitdem ging die Einwanderung von Spätaussiedlern stetig zurück und 2006 kamen weniger als 8.000 Menschen nach Deutschland. Da auch in Berlin immer weniger Menschen ankamen wurde die zentrale Aufnahmestelle für Aussiedler in Marienfelde 2010 geschlossen. Insgesamt wurden dort von 1962 bis 2010 circa 96.000 Aussiedler aufgenommen. Seit Dezember 2010 dient das Aufnahmelager wieder als Übergangswohnheim für Flüchtlinge und AsylbewerberInnen.[5]


[1] Skrabania, D. (2011): Die Zentrale Aufnahmestelle für Aussiedler in Berlin-Marienfelde:
14. April  1953 bis 31. Juli 2010. Berlin: Landesamt für Gesundheit und Soziales.
[2] Worbs, S., Bund, E., & Kohls, M. (2013): (Spät-)Aussiedler in Deutschland. Eine Analyse aktueller Daten und Forschungsergebnisse. Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
[3] Dalos, Gy. (2014): Geschichte der Russlanddeutschen, Von Katharina der Großen bis zur
Gegenwart. München: C.H. Beck.
[4] Kompetenzzentrum für Integration/ KfI
www.lum.nrw.de/zuwanderung/Aufnahmeverfahren_Spaetaussiedler/Geschichte_Russland
deutsche/index.php (letzter Zugriff 24.01.2016)
[5] http://www.notaufnahmelager-berlin.de/de/zab-741.html (letzter Zugriff 02.01.2016)

Text: Lina Pachmann

Weitere Informationen:

http://www.notaufnahmelager-berlin.de

Kaserne Werder: Unsichtbare slawische Spuren der Vergangenheit

Wie jede andere Stadt hat auch ein kleines Städtchen an der Havel, genannt Werder an der Havel, seine Geschichte. Diese Geschichte reicht bis ca. 10 000 Jahre zurück, bis in die Mittelsteinzeit. Zur dieser Zeit sollten dort die ersten Siedlungen von zusammen lebenden Germanen und Slawen gegründet worden sein. Etwa im 9. bis 10. Jahrhundert, so ist es auf der Webseite der Stadt Werder nachzulesen, wurden dann erste Fischerdörfer gegründet. Im Jahr 1902 standen bereits 15 größere Villen, die von einer malerischen grünen Landschaft umgeben waren, an den Ufern der Havel. Aber so weit möchte ich gar nicht in meinem Blogbeitrag ausholen. Meine Geschichte gehört schon zum 20. Jahrhundert und genau handelt es sich um die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als am 3. Mai 1945 Werder an der Havel kampflos an die Rote Armee übergegeben wurde.

Zuvor, im Jahre 1936, diente der Grund und Boden des Lehrsportflughafens in Werder an der Havel als Fliegerhorst für das gigantische Rüstungsprogramm Nazideutschlands; bis zum Ende des Krieges. Die Fläche betrug 140 Hektar und wurde geheim gehalten.
Die Bewohner der Stadt hofften, dass wenn sie sich freiwillig kampflos ergeben, die Soldaten sie dann gütiger behandeln würden und nicht so stark wie in anderen Städten, plündern und vergewaltigen würden. Dennoch fanden auch in Werder diese ungeheuren Taten statt.
Bald danach bezog der Stab der 286. Jagdfliegerdivision unter Oberst Wassili Iossifowitsch Stalin (1921-1962) den vormaligen Fliegerhorst. Er wurde 1952 „befördert“, wobei eher das Wort „versetzt“ die treffende Bezeichnung wäre. Wegen dienstlicher Vergehen und eines ausschweifenden Lebensstiles wurde er auf persönliche Weisung seines Vaters anderweitig beschäftigt.
Das Militärgelände wurde von der Roten Armee unterschiedlich genutzt. Bis 1957, als der Flugplatz endgültig aufgegeben wurde, unterstand es den sowjetischen Luftstreitkräften, bis 1994 den entsprechenden Landstreitkräften. Optisch auffällig waren ein Lazarett und ein Reparaturwerk für die Pioniertechnik.
Die Rote Armee nahm die Kasernen des Fliegerhorstes in Besitz und beschlagnahmte in der Fliegersiedlung /Brunhildestraße, am Plantagenplatz, auf der Insel und in der Eisenbahnstraße zahlreiche Häuser, deren Bewohner ihr Hab und Gut zurücklassen mussten.

Die Zwangsaussiedlung von Deutschen fand statt, um die Offiziere der Roten Armee und deren Familien unterzubringen. Auch wenn die Familien dann ohne Wohnmöglichkeit waren, wurden die Häuser nicht zurückgegeben. Aufgrund dieser Maßnahmen der Roten Armee entstand unter den deutschen Bewohnern eine Wohnnotsituation. Manche Bewohner versuchten ihre Häuser zurück zu bekommen und schrieben Briefe nach Potsdam an die zuständigen deutschen Behörden, hatten aber keinen Erfolg.

Den Zwangsaussiedlungen folgten Sperrzonen, die durch Holzzäune getrennt wurden. Sie sollte dazu dienen, dass die Kommunikation zwischen Deutschen und Russen unterbunden wird. Die errichteten Lebensmittelgeschäfte in dem Stadtteil, in dem die Deutschen lebten, waren nicht so gut mit Lebensmitteln versorgt wie die Lebensmittelhändler im sowjetischen Stadtteil. Ab und zu trauten sich die deutschen Bewohner der Stadt, das sowjetische Territorium zu betreten, um ins Geschäft zu gehen und einige der begehrten Lebensmittel einzukaufen. Die sowjetischen Soldaten machten dabei eine Auge zu und ließen die Bewohner passieren, obwohl das strengst verboten war. Die sowjetischen Soldaten hätten vor Gericht gemusst und ihren Dienst quittieren müssen, wenn diese Kontakte zu den Einheimischen offiziell bekannt geworden wären.

Es wurde beschlossen, dass der Flugplatz nicht mehr existieren wird. Die Flughallen wurden abgebaut und deren Baumaterialien in andere sowjetischen Besatzungszonen oder nach Russland verfrachtet.

Auf dem Gebiet wurde ein Heizkraftwerk gebaut. Die oberirdischen Rohre trugen nicht gerade zur Verschönerung der Kasernen bei. Im Laufe der Zeit wurden einige neue Gebäude gebaut, leider wurden die alten deutschen Gebäude der Witterung und dem Verfall ausgesetzt. Die neunen Gebäude entsprachen keinen deutschen Bauvorschriften. Es waren eher Behelfsgebäude, die von den dort auszubildenden Soldaten, die keine entsprechenden Baukenntnisse besaßen, selbst gebaut wurden.

Hier in den Spezialkompanien wurden in Halbjahreslehrgängen Wehrpflichtige zu Unteroffizieren für verschiedensten Verwendungen in der Fernmeldetruppen der GSSD ausgebildet. In den Jahren von 1981 bis 1990 wurden etwa 15 000 Mann ausgebildet. Die Lebensqualität in den Kasernen war, anders als in den binnenländischen sowjetischen Kasernen, wohl besser. Es ist auch an der Besoldung abzusehen, die in DM (DDR) ausgezahlt wurde. Aus eigener Erfahrung weiß ich zudem, dass die Frauen der sowjetischen Soldaten für ärztliche Untersuchungen deutsche Ärzte aufsuchen durften, da die medizinische Versorgung bei den deutschen Ärzten auf einem qualitativ höheren Niveau durchgeführt wurde. In den Kasernen befanden sich eine Schule und der Aktowyi Saal, wo sowjetische Feiertage gefeiert wurden und Reden gehalten wurden. Es fanden Sportwettbewerbe zwischen sowjetischen und deutschen Soldaten statt. Die Frauen der Soldaten und selbst die Soldaten durften Ausflüge nach Potsdam, Leipzig, aber nicht nach Berlin machen. Dass das alles überhaupt stattgefunden hat, bekunden die zurückgelassene Fotoalben, die von den hier auszubildenden und lebenden Soldaten selbst gemacht wurden und die Erzählungen von den Augenzeugen. Mehr Material ist nicht übriggeblieben. Die Fotos zeigen den beruflichen Alltag von unbekannten Soldaten: wie sie gebaut, gelebt, gearbeitet haben. Die Fotos zeigten auch plakative Bekundungen real nicht existierender Freundschaft. Die Sportler beider Seiten auf den Fotos stehen manchmal mit mürrischen Gesichtern da. Es ist schwer zu sagen ob sie verloren haben oder ihnen diese Veranstaltung aufgezwungen wurde. Auf anderen Fotos sind auch bei irgendwelchen gemeinsamen Feierlichkeiten die vor Stolz trotzenden sowjetischen Soldaten und freundliche, aber schweigsame, deutsche Soldaten zu sehen.

Ab 1957 fanden auf dem Areal bescheidene bauliche Veränderungen statt: technische Funktionsbauten, vier Familienblöcke sowie ein Kulturhaus wurden gebaut. Das Schwimmbecken wurde instand gesetzt. In den 70er Jahren gab es schon fast keine Spuren mehr vom ehemaligen Fliegerhorst. In Fotoalben steht oft auf Deutsch und Russisch das Wort „Freunde“.
Es gab sicherlich auch richtige familiäre Freundschaften unter den Bewohnern der beiden Sektoren, obwohl sie verboten wurden. Entwickelten sie sich dennoch, wurden sie geheim gehalten. Einige Fotos zeigen auch solche wirklich glücklichen Menschen beider Nationalitäten.

Nach dem Abzug der ausländischen Truppen bekam die Stadt Werder das geschundene Areal zurück übertragen. Auf der größten städtischen Konversionsfläche wurden gewissenhaft die militärischen Altlasten beseitigt. Der Boden vom Areal musste dickschichtig entfernt werden, da tief in den Boden Tonnen mit Brennstoff eingebaut wurden und der Grund dadurch chemisch verschmutzt wurde. Auch die Reparaturen der Militärfahrzeuge und deren Reinigung fanden direkt auf dem Areal statt. Es wurde auf keine ökologischen Maßnahmen geachtet. Es blieben viele Militärfahrzeuge auch übrig. Das alles musste fachgerecht als Sondermüll entsorgt werden. Die Stadt bekam finanzielle Hilfe von den in der Stadt selbst ansässigen Firmen. Aber auch sie besaßen nicht das entsprechende finanzielle Kapital, um mit dem Aufbau neuer Gebäude zu beginnen. Es war ein langes politisches Ringen, bevor mit dem Bau überhaupt begonnen werden konnte.

Es begann zunächst der Aufbau eines attraktiven Wohn-, Gewerbe- und Freizeitgebietes, das sich zu einem neuen Stadtteil mit Gartenstadtcharakter entwickelte und entwickelt.
Die Gebäude werden heute anderweitig genutzt und erinnern überhaupt nicht mehr an die vergangenen Zeiten. Es ist ein neues Wohngebiet auf dem Grund gebaut worden. In der Waldorfschule wurden noch ein paar Backsteinwände unverputzt gelassen. Bei einem Tag der offenen Tür war zu erfahren, dass auch dies ein ehemals sowjetisches Gebäude war, aber mehr wisse man dazu auch nicht. Auf dem restlichen Areal sind ein Einkaufszentrum, ein Altersheim, ein Kindergarten, Luxusmietwohnungen sowie ein kleiner Hafen mit privaten Booten gebaut worden.

Text: Vasilina Schwetje

Quellen:

Lambrecht, Rainer/Klaus-Peter Meißner (2012): Havelauen. Dynamik zwischen Friedrichshöhe und Großem Zernsee. Herausgegeben von der Havelauen Projekt Gesellschaft mbH und der TRAX. Gesellschaft für Grundstücksentwicklung und Erschließung mbH. Potsdam: Knotenpunkt Verlag.

Balthasar D. Otto (2001): Ihr Brautkleid war aus Fallschirmseide. Die Stadt Werder und ihr Fliegerhorst, 1934-1945. Werder.

Hintergründe für die Migration sowjetischer Künstler der 20er Jahre nach Berlin

Nach der Oktoberrevolution im Jahr 1917 emigrierten viele Russen nach Westen. So lebten in Berlin in den zwanziger Jahren ca. 400.000[1] russische Emigranten, darunter auch bedeutende, weltberühmte sowjetische Künstler wie Alexej Remisov, Alexej Tolstoi, Ilja Ehrenburg, Maxim Gorki, Andrej Bely, Viktor Schklowski, Sergej Jessenin, Marina Zwetajewa, Wladislaw Chodassewitsch, Boris Pasternak, Wladimir Majakowski, Vladimir Nabokov und weitere.

Es gab insgesamt viele Gründe für die russischen Aussiedler um nach Deutschland zu reisen. Eine der wichtigen Ursachen der Flucht für viele Menschen, insbesondere für Künstler, war eine schwierige politische Situation, die in Russland nach der Oktoberrevolution entstand. Menschen wurden politisch verfolgt, da sie die Revolution und daraus entstandene Reformen nicht akzeptieren wollten.

Die Zahl der russischen Migranten war gerade in der deutschen Hauptstadt so groß, dass es zu einer rasanten Entwicklung des vielfältigen russischen Alltag- und Kulturlebens führte. In Berlin entstanden zahlreiche Restaurants und unterschiedliche Orte für die Treffen derrussischen Migranten, wo insbesondere die Versammlungen der Vertreter der russischen Intelligenz stattfanden. Bemerkenswert ist auch die rasche Entwicklung des Verlagswesens und der Presse gewesen. Das ist insbesondere auf das im Vergleich zu Russland günstigere finanzielle Umfeld in Deutschland zurückzuführen[2].

Der finanzielle Aspekt kann damit als ein Grund der Migration aus der Sowjetunion nach Berlin betrachtet werden. In Deutschland verursachte die Inflation vor allem für die Besitzer von Valuta und Wertgegenständen niedrigere Kosten fürs Leben und die Produktion als in Russland[3]. Durch Hin- und Rücktausch der wertvollen Gegenstände und des Geldes konnten die Menschen einen vielfachen Gewinn erzielen. Allerdings wollten nicht alle Aussiedler diese Gelegenheit ausnutzen: Andrej Bely regte sich über die Migranten auf, die „(…) vor den Wechselstuben Schlange standen, dank ihrer Finanzmanipulationen besser lebten als die meisten Deutschen und in Berlin großspurig auftraten“[4]. Auch Majakowski fand dieses Verhalten seiner Landsleute nicht in Ordnung und äußerte sich diesbezüglich in der Moskauer Presse.

Berlin war damals weltweit das größte Zentrum der russischen Migration[5]. Noch ein beliebtes Ziel für die Migranten aus dem Osten war Paris, wo sich auch sehr viele Vertreter der russischen Intelligenz aufhielten. Für einige war Berlin ein Zwischenstopp auf dem Weg in die anderen westlichen Städte. Zu den Künstlern, die aus Berlin nach Paris gezogen sind, gehörte z.B. Sergej Jessenin, der allerdings nach drei Monaten wieder in die Sowjetunion zurückkehrte. Insgesamt hielte sich Jessenin zwei Mal in Berlin auf: von Mai bis Juni 1922 und von Februar bis April 1923. Es gab unter den Migranten auch Personen, die in Berlin aus unterschiedlichen Gründen nach ihrer Ruhe suchten und sich erholen wollten. In diesem Zusammenhang kann der bedeutende russische Lyriker Wladislaw Chodassewitsch erwähnt werden. Chodassewitsch lebte in Berlin von Juni 1922 bis November 1923 und empfand die deutsche Hauptstadt als eine Zwischenstation, wo er „(…) sich erholen [und] Kräfte sammeln wollte für das neue Leben in Russland“[6]. Er zog später nach Italien und lebte danach bis zu seinem Tode in Paris.

Die Entfernung von der Heimat mit einer direkten Bahn- oder Schiffsverbindung spielte ebenfalls eine gewisse Rolle bei der Entscheidung bezüglich des Migrationsziels für einige Aussiedler[7]. Eine kürzere Entfernung oder eine günstige direkte Verkehrsverbindung war für diejenigen, die später beispielsweise auf Grund von Heimweh nach Russland zurückkehren wollten von Vorteil. Alexej Remisow gehörte zu denen, die sich in Berlin absolut unwohl gefühlt haben. Er und seine Frau lebten von August 1921 bis Dezember 1923 in der deutschen Hauptstadt, danach sind sie trotz der Sehnsucht nach der Heimat nach Paris gezogen, was vor allem auffinanzielle Schwierigkeiten zurückzuführen ist. Die finanziellen Sorgen bestanden dort fort. Fast am Ende seines Lebens hat Alexej Remisow eine sowjetische Bürgerschaft bekommen, allerdings kehrte er nie wieder in die Heimat zurück und starb später in Paris.

Nicht zuletzt sollte ein propagandistisches Ziel erwähnt werden. Mehrmals kam Majakowski zwischen Oktober 1922 und Februar 1929 nach Berlin, „(…) um für die Errungenschaften der Sowjetmacht zu werben und die Unruhe unter den Emigranten zu stiften“[8]. Majakowski, der als Dichter der Revolution bekannt ist, hat in seinem Leben unter anderem sehr viele Gedichte zu politischen Themen verfasst sowie Plakate und Broschüren gemalt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass trotz der unterschiedlichen Ziele und Gründe für den Aufenthalt in Berlin und trotz der differierenden Empfindungen der deutschen Hauptstadt von den russischen Künstlern in Berlin zahlreiche weltweit bekannte Werke entstanden sind. Zum Ende des Jahres 1923 haben viele Vertreter der russischen Intelligenz Berlin verlassen.


[1] Urban, Thomas (2003): Russische Schriftsteller im Berlin der zwanziger Jahre. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung. S. 7.
[2] Urban, Thomas (2003): Russische Schriftsteller im Berlin der zwanziger Jahre. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung. S. 17.
[3] http://www.wladarz.de/Vorwort/Inhalt/RUSSIS_1/russis_1.HTM
[4] Urban, Thomas (2003): Russische Schriftsteller im Berlin der zwanziger Jahre. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung. S. 10.
[5] http://www.partner-inform.de/partner/detail/2007/4/238/2362/russkie-pisateli-v-berline
[6] Urban, Thomas (2003): Russische Schriftsteller im Berlin der zwanziger Jahre. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung. S. 152.
[7] http://www.wladarz.de/Vorwort/Inhalt/RUSSIS_1/russis_1.HTM
[8] Urban, Thomas (2003): Russische Schriftsteller im Berlin der zwanziger Jahre. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung. S. 9.

Quellen:

Tchernodarov, Andreij (Hrsg.)(2014): Das Russische Kulturleben in Berlin der 1920er Jahre: Begleitpublikation zur Ausstellung in der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin. Berlin: Klak.

Urban, Thomas (2003): Russische Schriftsteller in Berlin der zwanziger Jahre. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung.

Цфасман А.Б. (2008): «Русский Берлин» 1920-х годов: издательский бум. In: Вестник Челябинского государственного университета 34. S. 102-107.

Böhmisch Rixdorf

Nach 300 Jahren böhmischer Siedlung

Fließtext hier einfügen. Noch mehr Fließtext hier hineinschreiben.